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Social Trading

Mit der Entwicklung des sogenannten Web 2.0 hat das Internet zunehmend die technische Richtung eingeschlagen, Angebote durch User zu ermöglichen. Theoretisch konnten sich davor Trader über (soziale) Netzwerke befreunden und sich gegenseitig mitteilen, wenn sie einen Trade eröffnen oder schließen, von einer E-Mailbenachrichtigung ganz zu schweigen. Dieses Prinzip ist von diversen Diensten bekannt, wo man über ein Abo-Modell beispielsweise via SMS über eine Positionsveränderung informiert wird. Der benachrichtigte User kann nach diesem Impuls selbst entscheiden, ob er reagiert und den Handel kopiert. Natürlich gibt es daneben weiter die Möglichkeit, sich nur über die einzelnen Positionen eines Traders benachrichtigen zu lassen, nur eben gebündelt auf einer Plattform, als Facebook für gleichgesinnte Trader.

Trader suchen und folgen

Der Reiz des Social Trading liegt in der basisdemokratischen Idee, dem Trade eines jeden Trader folgen zu können, ohne dass die Börse als alleiniger Impulsgeber fungiert. Einsteiger können langjährigen Profis folgen und auch so von Geheimtipps profitieren, die noch manchem Trade zugrunde liegen. Um gute Trader zu finden, lassen sich alle Trader nach harten Kennzahlen wie

  • Performance,
  • Maximum Drawdown,
  • Volatilität,
  • Trefferquote,
  • Aktivität

durchsuchen. Hat man so eine handvoll Trader im Überblick, bietet sich eine gute Übersicht des Marktes und hilft ein Gefühl für die aktuelle Situation an der Börse zu bekommen und bietet natürlich ein Forum für Diskussionen oder Markteinschätzungen.

Trader kopieren

Die mögliche Copy-Funktion erleichtert das Folgen zusätzlich, indem alle Trades des Trader eins zu eins kopiert werden, als wären sie in der analogen Welt am Cashpool des Händlers beteiligt. Dieses „Abonnement“ von Tradern kann mit echtem Geld als moderne Form des Sparplans betrachtet werden und bietet eine einfache Möglichkeit sich in die Performance einzuklinken, wie bei einem Fondanteil. Äquivalent zu einem Fond wird der Trader bei guter Performance häufig zu einem Bruchteil an Echtgeldfolgern vergütet, so dass er einen zusätzlichen Anreiz hat keine zu großen Risiken einzugehen. Die Einzelheiten unterscheiden sich hier je nach anbietender Plattform, aber gemein ist allen Systemen, dass keine Aktivität des Nutzers mehr nötig ist, um an den Handelsergebnissen teilzuhaben.

Folgen Sie lieber einem Algorithmus oder Mensch?

Wenn man von „Trader“ spricht, werden viele Leser vielleicht noch den verschwitzten Börsenmenschen mit Kurszetteln auf dem Parkett vor Augen haben. Dass die digitale Revolution nicht nur in den Handelssälen der Börse Einzug gehalten hat, ist spätestens mit der Finanzkrise und thematisiertem Hochfrequenzhandel ins weite Bewusstsein gerückt, wo „Computer“ handeln. Diesen automatisierten Handlungsschritten liegen Algorithmen zugrunde, die durch vordefinierte Verhaltensweisen auf die jeweilige Marktsituation reagieren. Manchen Menschen erscheint dies unheimlich, andere sehen hierin die Perfektion einer Handelsstrategie, da es das Gefühl als negativen Impulsgeber ausschließt und zu rein rationalen Entscheidungen führt. Dass sich die Börse mitunter alles andere als rational verhält ist ein in nicht zu unterschätzender Reiz, wo Handelserfahrung und Bauchgefühl nachweislich punkten.

Hier ist es eine persönliche Entscheidung, ob sie einem Trader folgen möchten der automatisiert oder aufgrund seiner persönlichen Einschätzung handelt. Für beide Positionen gibt es für und wider, beide können erfolgreich sein. Häufig wird beim Social Trading der Aspekt betont, dass Entscheidungsgrundlagen transparent kommuniziert werden können. Ob dies nun automatisch und sporadisch erfolgt liegt widerum am Trader, hat aber keinen Einfluss auf die Performance.

Umsatzmaximierung und Netzwerkeffekte

Im Vorfeld wurde angeführt dass im Social Trading erfolgreiche Trader mit Folgern neben der Aufmerksamkeit auch monetär für gute Trades belohnt werden. Grundsätzlich ist Bezahlung als Leistungsanreiz etwas gutes, allerdings birgt es ab einem bestimmten Punkt auch Potential zu Fehlanreizen, die statt gutem, schlechtes Verhalten zu tage fördern. Unterliegt ein Trader einem Leistungsknick oder einer Pechsträhne, kann er versucht sein durch höhere Risiken eine Performance zu generieren, die das bisherige Belohnungsniveau zu mindestens hält. Ohne die Bezahlung im Hinterkopf zu behalten, gibt es ein weiteres wichtiges Kriterium die dieses Verhalten fördern, nämlich in der Rangliste aufzusteigen. Dieses Phänomen ist von Börsenspielen bekannt, wo durch das Anlegen von verschiedenen Accounts jeweils hochriskant alles auf eine Karte gesetzt wird um –bei Gelingen– eine herausragende Performance zu generieren und möglichst viele Folger anzuziehen, von deren Partizipation man anschließend profitiert. Natürlich sind nur gute Trader auf lange Sicht erfolgreich, deren Handelsmodell mehr ist als eine Eintagsfliege. Aufgrund der unglaublichen Größe des Kapitalmarktes halte ich die Auswirkungen von vergrößerten Risikopositionen durch partizipierende Folger für eher gering, aber die Black and Scholes Formel ist letztendlich daran gescheitert, dass sie nicht berücksichtigt hat, dass das eigene partizipieren an der Börse schon Einfluss auf den Preismechanismus hat. Wir dürfen gespannt sein wie groß der Einfluss des Social Trading in den nächsten Jahren wird.

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