Auf einen Blick (Stand: 4. August 2026)
| Einlagesatz (Leitzins im engeren Sinn) | 2,25 % |
| Hauptrefinanzierungssatz | 2,40 % |
| Spitzenrefinanzierungssatz | 2,65 % |
| In Kraft seit | 17. Juni 2026 |
| Nächste Sitzung | 9./10. September 2026 (in Berlin) |
Der EZB-Zinsentscheid ist der Termin, an dem der EZB-Rat über die Leitzinsen im Euroraum entscheidet. Er betrifft nicht nur Sparzinsen und Baufinanzierungen, sondern bewegt unmittelbar den Euro, den DAX und europäische Anleihen – und ist damit einer der wichtigsten Termine im Wirtschaftskalender.
Hier finden Sie die Termine 2026 und 2027, die aktuellen Zinssätze und eine Einordnung, was der Entscheid für Trader praktisch bedeutet.
EZB-Zinsentscheid: Termine 2026
Der EZB-Rat entscheidet achtmal im Jahr über die Geldpolitik, im Abstand von rund sechs Wochen. Die Sitzungen dauern zwei Tage; die Entscheidung wird am zweiten Tag um 14:15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr.
| Sitzung 2026 | Ort | Status |
|---|---|---|
| 9./10. September | Berlin (bei der Deutschen Bundesbank) | nächster Termin |
| 28./29. Oktober | Frankfurt | geplant |
| 16./17. Dezember | Frankfurt | geplant |
Die EZB tagt gelegentlich außerhalb Frankfurts bei einer nationalen Zentralbank – die September-Sitzung 2026 findet deshalb in Berlin statt. Am Ablauf und an den Uhrzeiten ändert das nichts.
EZB-Termine 2027
3./4. Februar · 17./18. März · 28./29. April · 9./10. Juni · 21./22. Juli · 8./9. September · 27./28. Oktober · 15./16. Dezember
Hinweis: Neben den geldpolitischen Sitzungen hält der EZB-Rat weitere Treffen ab, bei denen keine Zinsentscheidung ansteht. Für Trader zählen ausschließlich die oben genannten geldpolitischen Termine. Verbindlich ist der offizielle Sitzungskalender der EZB.
Die drei Leitzinsen – und warum nur einer wirklich zählt
Die EZB setzt drei Zinssätze fest. In Medienberichten ist meist pauschal von „dem Leitzins“ die Rede, was regelmäßig zu Verwirrung führt:
| Zinssatz | Aktuell | Bedeutung |
|---|---|---|
| Einlagefazilität | 2,25 % | Zins, den Banken für Übernachteinlagen bei der EZB erhalten. Der maßgebliche Steuerungssatz. |
| Hauptrefinanzierung | 2,40 % | Zins, zu dem sich Banken wöchentlich Geld bei der EZB leihen |
| Spitzenrefinanzierung | 2,65 % | Zins für kurzfristige Übernachtkredite – die Obergrenze des Korridors |
Seit einer Reform des geldpolitischen Handlungsrahmens steuert die EZB ihren Kurs über den Einlagesatz. Wenn Marktteilnehmer vom „EZB-Leitzins“ sprechen, meinen sie in aller Regel diesen Satz. Wer Meldungen richtig einordnen will, sollte immer prüfen, welcher der drei Sätze gemeint ist.
Aktuelle Lage: Straffung im Euroraum, Pause in den USA
Die EZB hat die Leitzinsen zuletzt im Juni 2026 angehoben. Der Einlagesatz liegt seither bei 2,25 %.
Bemerkenswert ist die Gegenbewegung zur US-Notenbank: Während die EZB gestrafft hat, hält die Fed ihre Zielspanne seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50–3,75 %. Zwei große Notenbanken bewegen sich also auseinander – und genau daraus entsteht Bewegung an den Devisenmärkten.
Was das für EUR/USD bedeutet
Wechselkurse folgen weniger dem absoluten Zinsniveau als der erwarteten Zinsdifferenz. Der Dollar hat mit 3,50–3,75 % weiterhin einen deutlichen Zinsvorsprung gegenüber dem Euro mit 2,25 %. Entscheidend ist aber die Richtung: Verringert sich dieser Abstand, weil die EZB anzieht und die Fed stillhält, wirkt das tendenziell eurostützend.
Für EUR/USD-Trader heißt das konkret: Beide Kalender gehören nebeneinander. Ein EZB-Entscheid lässt sich kaum sinnvoll handeln, ohne zu wissen, was die Fed drei Wochen später vorhat. Die Zinsdifferenz bestimmt außerdem die Overnight-Kosten Ihrer Positionen – wer Währungspaare über Nacht hält, zahlt oder erhält genau diese Differenz.
Auswirkungen auf die Märkte
| Markt | Typische Reaktion auf steigende Zinsen |
|---|---|
| Euro | tendenziell stärker, sofern die Erhöhung nicht bereits erwartet war |
| DAX | tendenziell belastet – höhere Finanzierungskosten drücken Unternehmensgewinne |
| Bankaktien | oft gegenläufig: höhere Zinsmargen können Banken begünstigen |
| Europäische Anleihen | Kurse fallen, Renditen steigen; die Spreads zwischen den Euroländern reagieren mit |
Auch hier gilt: Diese Muster greifen nur, wenn der Entscheid vom Erwarteten abweicht. Ein perfekt eingepreister Zinsschritt kann den Euro sogar schwächen, wenn die Pressekonferenz vorsichtiger klingt als erhofft. Gehandelt werden Erwartungen, nicht Beschlüsse.
Die Pressekonferenz ist oft wichtiger als der Beschluss
Um 14:15 Uhr kommt die Entscheidung, um 14:45 Uhr beginnt die Pressekonferenz. Erfahrene Marktteilnehmer beobachten vor allem die zweite Phase, denn dort fallen die Aussagen zum weiteren Kurs.
Typischerweise entstehen zwei getrennte Bewegungen: eine unmittelbar auf die Zahl um 14:15 Uhr, eine zweite – häufig stärkere und teils gegenläufige – während der Pressekonferenz. Wer nur die erste Reaktion handelt und dann die Position hält, wird von der zweiten regelmäßig überrascht.
Risiko in diesen Minuten: Spreads weiten sich deutlich aus, Orders erleiden Slippage, und Stop-Loss-Orders werden nicht zwingend zum gesetzten Kurs ausgeführt. Der Kurs springt in Sprüngen statt zu laufen. Für die meisten Privatanleger ist Abwarten die vernünftigere Entscheidung – die verlässlicheren Bewegungen entstehen oft erst, wenn sich der Markt nach einer Stunde sortiert hat.
Häufige Fragen
Wann ist der nächste EZB-Zinsentscheid?
Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats findet am 9. und 10. September 2026 statt, ausnahmsweise in Berlin. Die Entscheidung wird am 10. September um 14:15 Uhr veröffentlicht.
Um wie viel Uhr entscheidet die EZB?
Die Zinsentscheidung wird um 14:15 Uhr mitgeteilt, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr (jeweils mitteleuropäische Zeit).
Wie hoch ist der EZB-Leitzins aktuell?
Der maßgebliche Einlagesatz liegt bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 % – in Kraft seit dem 17. Juni 2026 (Stand: 4. August 2026).
Wie oft tagt die EZB zur Geldpolitik?
Achtmal jährlich, etwa alle sechs Wochen. Daneben gibt es weitere Ratssitzungen ohne Zinsentscheidung.
Was ist der Unterschied zwischen Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz?
Der Einlagesatz ist der Zins, den Banken für Geld erhalten, das sie über Nacht bei der EZB parken – er steuert heute den geldpolitischen Kurs. Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Zins, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen. In Schlagzeilen wird meist der Einlagesatz gemeint, auch wenn nur von „dem Leitzins“ die Rede ist.
Beeinflusst die EZB auch den DAX?
Ja, wenn auch indirekt. Höhere Zinsen verteuern die Finanzierung von Unternehmen und machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver – beides belastet Aktienindizes tendenziell. Wie stark der DAX reagiert, hängt davon ab, wie weit die Entscheidung von den Markterwartungen abweicht.
Quellen
Stand der Daten: 4. August 2026. Leitzinsen und Termine ändern sich; verbindlich sind ausschließlich die offiziellen Veröffentlichungen der Europäischen Zentralbank. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.