Slippage bezeichnet die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem Sie eine Order erteilen, und dem Kurs, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wird. Sie entsteht, weil zwischen Ihrem Klick und der Ausführung Zeit vergeht – und weil zum gewünschten Preis nicht immer genug Gegenseite im Markt ist.
Slippage ist damit ein realer Kostenfaktor, der in keiner Gebührenübersicht auftaucht. Wer nur auf Spreads und Kommissionen schaut, übersieht möglicherweise den teureren Posten.
Wie Slippage entsteht
Ein Kurs ist keine feste Zahl, sondern das oberste Gebot im Orderbuch. Wird Ihre Order ausgeführt, nimmt sie die verfügbare Gegenseite – reicht das Volumen dort nicht, wird der Rest zum nächstschlechteren Preis gefüllt. Zwei Faktoren bestimmen, wie groß der Unterschied ausfällt:
- Liquidität: Wie viel Volumen liegt nahe am aktuellen Kurs? Bei EUR/USD zur Handelszeit sehr viel, bei einem exotischen Währungspaar nachts sehr wenig.
- Geschwindigkeit der Bewegung: Springt der Kurs, existiert der Preis von vor 200 Millisekunden schlicht nicht mehr.
Positive und negative Slippage
Die Abweichung geht in beide Richtungen. Bei positiver Slippage erhalten Sie einen besseren Kurs als erwartet. Seriöse Broker geben diesen Vorteil weiter – das ist ein brauchbares Qualitätsmerkmal.
Auffällig wird es, wenn Slippage ausschließlich zu Ihren Ungunsten auftritt. Bei einem Broker mit fairer Ausführung sollten sich positive und negative Abweichungen über viele Trades hinweg ungefähr die Waage halten. Tun sie das dauerhaft nicht, ist das ein Grund, die Ausführungsqualität zu hinterfragen – und einer der Punkte, die in den Broker-Vergleich gehören.
Wann Slippage besonders groß ist
| Situation | Warum |
|---|---|
| Zinsentscheide, Arbeitsmarktdaten, Inflationszahlen | Der Markt bewegt sich in Sprüngen; Orderbücher leeren sich binnen Sekunden |
| Handelsstart und Marktöffnungen | Über Nacht aufgelaufene Orders treffen aufeinander |
| Nachts und am Wochenende | Dünne Liquidität, weite Spreads |
| Sehr große Positionen | Die Order räumt mehrere Preisstufen im Orderbuch ab |
| Exotische Werte | Wenig Marktteilnehmer, große Abstände zwischen den Geboten |
Der unangenehme Teil: Slippage trifft auch Stop-Loss-Orders
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, ein Stop Loss begrenze den Verlust exakt auf den gesetzten Kurs. Das stimmt nicht.
Ein Stop Loss ist eine Auslöseschwelle: Erreicht der Kurs Ihre Marke, wird eine Market-Order in den Markt gegeben – und die wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Bei einer Kurslücke kann das deutlich unter Ihrem Stop liegen.
Beispiel: Sie halten eine Long-Position im DAX mit Stop bei 18.000. Über Nacht kommt eine unerwartete Nachricht, der Index eröffnet bei 17.880. Ihr Stop wird ausgelöst – ausgeführt wird aber bei etwa 17.880, nicht bei 18.000. Die zusätzlichen 120 Punkte sind Slippage. Bei 5 € pro Punkt sind das 600 € über den geplanten Verlust hinaus.
Genau deshalb ist die Positionsgröße wichtiger als der Stop-Abstand: Sie bestimmt, wie schwer eine solche Abweichung wiegt.
Slippage verringern – was tatsächlich hilft
- Limit-Orders statt Market-Orders. Eine Limit-Order wird nie schlechter als zum angegebenen Kurs ausgeführt. Der Preis dafür: Sie wird eventuell gar nicht ausgeführt. Bei Einstiegen ist das meist der bessere Kompromiss.
- Liquide Zeiten wählen. Die Überschneidung der Handelszeiten London/New York bietet die beste Liquidität; nachts ist sie am dünnsten. Details unter Handelszeiten.
- Rund um Termine nicht handeln. Wer den Wirtschaftskalender kennt, weiß, wann die Ausführung unzuverlässig wird. Abwarten ist an solchen Terminen eine Strategie, kein Versäumnis.
- Garantierten Stop nutzen – bewusst. Manche Broker garantieren die Ausführung zum gesetzten Kurs. Das kostet eine Prämie oder einen weiteren Spread, kann aber bei Positionen über Nacht sinnvoll sein.
- Position verkleinern. Kleinere Orders finden eher Gegenseite auf einer Preisstufe.
Ausführungsqualität selbst prüfen
Sie müssen sich nicht auf Werbeaussagen verlassen. Notieren Sie über 20 bis 30 Trades jeweils den erwarteten und den tatsächlichen Ausführungskurs – das Trading-Tagebuch ist dafür ohnehin da. Drei Fragen beantwortet die Auswertung:
- Wie groß ist die durchschnittliche Abweichung in ruhigen Marktphasen?
- Tritt positive Slippage überhaupt auf – oder immer nur negative?
- Wie verhält sich die Ausführung rund um Nachrichtentermine?
Ein Broker, bei dem Abweichungen ausschließlich zu Ihren Lasten gehen, verdient eine kritische Prüfung – unabhängig davon, wie günstig der beworbene Spread ist.
Häufige Fragen
Ist Slippage Betrug?
Nein, sie ist eine normale Folge davon, wie Märkte funktionieren – selbst an Börsen mit hoher Liquidität. Auffällig wird es erst, wenn die Abweichungen dauerhaft einseitig zu Ihren Ungunsten ausfallen oder in ruhigen Phasen ungewöhnlich groß sind.
Wie viel Slippage ist normal?
In liquiden Märkten und ruhigen Phasen ist sie oft kaum messbar. Rund um wichtige Termine sind auch mehrere Punkte möglich. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht – sie hängt von Markt, Uhrzeit, Ordergröße und Broker ab. Deshalb ist die eigene Messung aussagekräftiger als jede Angabe im Werbematerial.
Kann ich Slippage ganz vermeiden?
Vollständig nur mit Limit-Orders – die dafür das Risiko der Nichtausführung tragen. Beim Ausstieg lässt sich Slippage nicht ausschließen, außer über einen ausdrücklich garantierten Stop gegen Aufpreis.
Was ist der Unterschied zwischen Slippage und Spread?
Der Spread ist die bekannte Differenz zwischen An- und Verkaufskurs – Sie kennen ihn vor dem Trade. Slippage ist die zusätzliche Abweichung bei der Ausführung und zeigt sich erst danach. Beide zusammen ergeben Ihre tatsächlichen Handelskosten.
Dieser Beitrag erklärt Ausführungsmechanik und ist keine Anlageberatung. CFDs sind mit hohem Verlustrisiko verbunden.