Risikomanagement entscheidet beim CFD-Handel darüber, ob ein Konto eine normale Pechsträhne übersteht. Dieser Guide rechnet die üblichen Regeln nach: wie wahrscheinlich lange Verlustserien sind, wie groß eine Position bei zwei Brokern mit unterschiedlicher Kontraktgröße sein darf und was ein garantierter Stop wirklich kostet. Am Ende steht die Checkliste für jeden Trade zum Ausdrucken.
Stand: Broker-Angaben abgerufen am 06.10.2026, Quellen je Tabelle und unten gesammelt. Alle Rechnungen sind eigene Rechnungen der Redaktion.
Die drei Zahlen, auf denen dieser Guide aufbaut
- 70 bis 77 % der Privatkonten verlieren bei IG, CMC Markets und XTB laut deren Pflicht-Risikohinweisen Geld mit CFDs (Tabelle).
- Bei einer Trefferquote von 50 % kommt in 250 Trades mit 38 % Wahrscheinlichkeit mindestens eine Serie von acht Verlusten in Folge vor (Rechnung).
- „0,2 Lot“ beim DAX bedeutet bei XTB 5 € je Punkt, also das 2,5-Fache des Risikos, mit dem ein 1-%-Trader bei 50 Punkten Stop rechnen darf (Positionsgröße).
Inhaltsverzeichnis
- Warum Risikomanagement über das Konto entscheidet
- Verlustserien: wie oft sie kommen und was sie kosten
- Die 1-%-Regel
- Positionsgröße je Broker berechnen
- Stop-Loss und garantierter Stop
- Chance-Risiko-Verhältnis und Trefferquote
- Korrelation und Gesamtrisiko
- Checkliste vor jedem Trade (druckbar)
- Häufige Fragen
- Quellen
1. Warum Risikomanagement über das Konto entscheidet
Bevor die ESMA 2018 Hebel und Nachschusspflicht für Privatkunden begrenzte, verloren nach Studien der europäischen Aufsichtsbehörden zwischen 74 % und 89 % der Kleinanleger mit CFDs Geld. Die BaFin nennt diese Spanne in ihrer Allgemeinverfügung zu Differenzgeschäften (bekanntgegeben am 23.07.2019, wirksam seit 01.08.2019) und listet die Einzelstudien auf, darunter die zypriotische CySEC mit 76 % (2017), die spanische CNMV mit 82 % (2015–2016) und die französische AMF mit mehr als 89 % (2009–2013).
Dieselbe Spanne ist bis heute die vorgeschriebene Standard-Risikowarnung (Anhang der Allgemeinverfügung) und steht deshalb in vielen Risikohinweisen, auch oben auf dieser Seite. Broker mit eigener Datengrundlage weisen dagegen ihre eigene Quote aus. Sie liegt bei großen Anbietern immer noch bei rund drei Vierteln:
| Broker | Privatkonten mit Verlust | Quelle |
|---|---|---|
| IG | 71 % | Produktinformation Indizes Abruf 06.10.2026 |
| CMC Markets | 70 % (CFDs und OTC-Optionen) | Risikohinweis auf der Produktseite Abruf 06.10.2026 |
| XTB | 77 % | Risikohinweis DE40 Abruf 06.10.2026 |
Die Broker aktualisieren diese Zahl regelmäßig. Sie zeigt nicht, dass CFDs nicht funktionieren, sondern dass die meisten Konten zu große Positionen ohne Plan tragen. Wer dauerhaft handelt, akzeptiert, dass ein großer Teil der Trades verliert, und sorgt dafür, dass jeder einzelne Verlust klein bleibt. Mehr zu den Ursachen: Warum die meisten Trader verlieren.
2. Verlustserien: wie oft sie kommen und was sie kosten
Eine Serie von Verlusten ist kein Ausnahmefall, sondern bei genug Trades fast sicher. Die Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit, dass in einer bestimmten Zahl von Trades mindestens einmal so viele Verluste direkt hintereinander auftreten. Annahme: Jeder Trade ist unabhängig vom vorherigen.
| Trefferquote | Trades | 5 Verluste in Folge | 8 in Folge | 10 in Folge |
|---|---|---|---|---|
| 50 % | 100 | 81 % | 17 % | 4 % |
| 50 % | 250 | 99 % | 38 % | 11 % |
| 40 % | 100 | 98 % | 49 % | 21 % |
| 40 % | 250 | 100 % | 83 % | 45 % |
Rechenweg: exakte Rechnung über die Länge der laufenden Verlustserie (Markow-Kette), gerundet. 250 Trades entsprechen etwa einem Jahr mit einem Trade je Handelstag.
Wer mit einer Trefferquote von 40 % handelt, was bei einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1:2 völlig ausreicht, erlebt in 250 Trades mit 83 % Wahrscheinlichkeit mindestens einmal acht Verluste in Folge. Was eine solche Serie vom Konto übrig lässt, hängt nur am Risiko je Trade:
| Risiko pro Trade | Nach 10 Verlusten | Nach 20 Verlusten | Nötiger Gewinn zurück auf 100 % (nach 20) |
|---|---|---|---|
| 1 % | 90,4 % übrig | 81,8 % übrig | +22 % |
| 2 % | 81,7 % übrig | 66,8 % übrig | +50 % |
| 5 % | 59,9 % übrig | 35,8 % übrig | +179 % |
| 10 % | 34,9 % übrig | 12,2 % übrig | +723 % |
Das Risiko wird dabei jeweils vom verbleibenden Kontostand berechnet (1 % von 10.000 €, danach 1 % von 9.900 € usw.). Die letzte Spalte zeigt die Asymmetrie: Ein Minus von einem Drittel braucht schon ein Plus von 50 %, um es auszugleichen. Mit 5 % oder 10 % Risiko je Trade ist das Konto nach einer gewöhnlichen Pechsträhne praktisch nicht mehr zu retten.
3. Die 1-%-Regel
Riskieren Sie pro Trade höchstens 1 % Ihres Kontos. Bei 10.000 € sind das 100 € Verlust, wenn der Stop-Loss greift. Nach 20 Verlusten in Folge bleiben dann noch 81,8 % des Kapitals (Tabelle oben).
Die 1-%-Regel ist keine gesetzliche Vorgabe, sondern eine verbreitete Faustregel. Fortgeschrittene gehen teils auf 2 %. Wichtig ist, dass „Risiko“ den Verlust bis zum Stop-Loss meint, nicht die Margin und nicht den Positionswert. Wie viel Positionswert 1 % Risiko erlauben, steht im nächsten Abschnitt. Dort zeigt sich auch, dass die Regel bei engen Stops schnell zu einem hohen effektiven Hebel führt. Mehr zum Gesamtrahmen: Money Management.
4. Positionsgröße je Broker berechnen
Formel: Wert je Punkt = (Konto × Risiko in %) ÷ Abstand zum Stop-Loss in Punkten
Beispiel: 10.000 € Konto, 1 % Risiko (100 €), Stop-Loss 50 Punkte unter dem Einstieg im DAX: 100 € ÷ 50 = 2 € je Punkt.
Die 2 € je Punkt sind die eigentliche Antwort. Wie viele „Kontrakte“ oder „Lots“ das sind, hängt davon ab, wie der Broker eine Einheit definiert. Beim DAX gehen die Definitionen weit auseinander:
| Broker und Produkt | Wert einer Einheit | Für 2 € je Punkt | Quelle |
|---|---|---|---|
| IG, Deutschland 40 (Kassa) | 1 € je Punkt und Kontrakt | 2 Kontrakte | IG Produktinformation Abruf 06.10.2026 |
| XTB, DE40 | 25 € je Punkt und Lot, kleinste Order 0,01 Lot | 0,08 Lot | XTB Einzelaufstellung der Finanzinstrumente (PDF) Abruf 06.10.2026, Dokument vom 08.02.2024 |
Warum „0,2 Lot“ als Pauschalwert gefährlich ist: Bei XTB entsprechen 0,2 Lot 5 € je Punkt. Mit 50 Punkten Stop stehen dann 250 € auf dem Spiel, also 2,5 % statt 1 % des Kontos. Bei IG gibt es keine Lots, dort wären es 2 Kontrakte. Rechnen Sie deshalb immer in Euro je Punkt und lesen Sie die Einheit im Handelsticket Ihres Brokers nach, bevor Sie die Ordergröße eintippen. Der CFD-Rechner und der Ratgeber Positionsgröße berechnen helfen dabei.
Effektiver Hebel prüfen: Bei einem angenommenen DAX-Stand von 24.000 Punkten bewegen 2 € je Punkt einen Positionswert von 48.000 €. Das ist bei 10.000 € Konto ein effektiver Hebel von 4,8. Bei IG beträgt die Margin für Privatkunden auf den Deutschland 40 laut Produktinformation 5 %, hier also 2.400 €. Je enger der Stop, desto größer wird die Position bei gleichem Risiko. Ein Stop von 25 Punkten verdoppelt den Hebel auf 9,6. Mehr dazu: Hebel berechnen und Margin Call.
5. Stop-Loss und garantierter Stop
Ein Stop-Loss schließt die Position automatisch, wenn der Kurs ein festgelegtes Niveau erreicht. Gängige Methoden, den Abstand zu wählen:
- Technisch: knapp unter einer Unterstützung oder über einem Widerstand, mit Puffer
- Volatilitätsbasiert: zum Beispiel das 1,5- bis 2-Fache der ATR vom Einstieg
- Zeitbasiert: Position schließen, wenn der erwartete Impuls nach einer festgelegten Zeit ausbleibt
Erst der Abstand, dann die Positionsgröße: Der Stop gehört dorthin, wo die Trade-Idee widerlegt ist, und die Größe wird nach Abschnitt 4 daran angepasst. Ein Stop, der nur wegen des Geldbetrags enger gesetzt wird, wird öfter zufällig ausgelöst.
Das Problem der Kurslücke: Ein normaler Stop wird zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt. Öffnet der Markt nach einer Nachricht 80 Punkte tiefer, kostet ein 50-Punkte-Stop entsprechend mehr. Ein garantierter Stop schließt dagegen genau auf dem festgelegten Niveau, gegen eine Prämie. Die Bedingungen unterscheiden sich:
| Broker | Wann wird die Prämie fällig? | Höhe | Quelle |
|---|---|---|---|
| IG | nur wenn der garantierte Stop ausgelöst wird | Deutschland 40: 1,5 Punkte je Kontrakt; Änderungen vorbehalten, vor allem am Wochenende und bei hoher Volatilität | Produktinformation, Anmerkung 4 Abruf 06.10.2026 |
| CMC Markets | wird beim Setzen berechnet, zu 100 % erstattet, wenn der Stop nicht ausgelöst wird (Stop entfernt, Take-Profit erreicht oder Position selbst geschlossen) | je Markt, im Handelsticket | GSLO-Erklärung Abruf 06.10.2026 |
| Capital.com | nur bei Auslösung | Prämie in % × Eröffnungskurs × Menge, im Orderticket | Gebühren und Kosten Abruf 06.10.2026 |
Rechenbeispiel IG: Mit 2 Kontrakten Deutschland 40 und garantiertem Stop 50 Punkte unter dem Einstieg verlieren Sie bei Auslösung 100 € plus 2 × 1,5 Punkte × 1 € = 103 €, auch wenn der Markt mit einer Lücke weit darunter öffnet. Wird der Stop nicht erreicht, fällt bei IG keine Prämie an. Dazu kommen wie bei jedem Trade Spread und gegebenenfalls Übernachtkosten.
Zwei Schutzmechanismen gelten für Privatkunden ohnehin: Der Broker muss Positionen schließen, wenn das Konto unter 50 % der erforderlichen Margin fällt, und das Konto kann nicht ins Minus laufen (Schutz vor Nachschusspflicht). Beides begrenzt den Verlust eines einzelnen Trades aber nicht auf den geplanten Betrag, denn die Glattstellung greift erst, wenn das Konto schon stark geschrumpft ist. Das leistet nur ein Stop je Position, bei Kurslücken verlässlich nur ein garantierter. Auch die BaFin hält in ihrer Allgemeinverfügung fest, dass garantierte Stops das Verlustrisiko nicht in jedem Fall begrenzen, solange sie nicht für alle Positionen gesetzt sind.
6. Chance-Risiko-Verhältnis und Trefferquote
Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) vergleicht den möglichen Gewinn mit dem Verlust bis zum Stop. Ein CRV von 1:2 heißt: 50 Punkte riskieren, um 100 Punkte zu gewinnen. Daraus ergibt sich, welche Trefferquote mindestens nötig ist, damit sich Gewinne und Verluste ausgleichen. Mit Spread wird die Schwelle etwas höher:
| CRV | Nötige Trefferquote vor Kosten | mit 1,4 Punkten Spread |
|---|---|---|
| 1:1 | 50,0 % | 51,4 % |
| 1:1,5 | 40,0 % | 41,1 % |
| 1:2 | 33,3 % | 34,3 % |
| 1:3 | 25,0 % | 25,7 % |
Annahme: Stop 50 Punkte, Ziel = CRV × 50 Punkte, Spread 1,4 Punkte je Trade (IG nennt für den Deutschland 40 tagsüber 1,4 Punkte, teils als variabel gekennzeichnet; Produktinformation, Abruf 06.10.2026). Übernachtkosten sind nicht eingerechnet.
Ein CRV von 1:2 ist also schon mit 40 % Treffern profitabel, solange die Kosten klein bleiben. Der Haken steht in Abschnitt 2: Bei 40 % Treffern sind lange Verlustserien die Regel. Ein gutes CRV funktioniert nur zusammen mit kleinem Risiko je Trade.
7. Korrelation und Gesamtrisiko
- Gesamtrisiko begrenzen: Als Faustregel höchstens 5 % des Kontos auf alle gleichzeitig offenen Positionen zusammen, gerechnet bis zu den jeweiligen Stops.
- Korrelationen beachten: DAX und S&P 500 laufen oft in dieselbe Richtung. Drei Long-Positionen auf europäische Indizes sind faktisch eine große Position, kein gestreutes Risiko.
- Tageslimit setzen: Faustregel höchstens 3 % Verlust pro Tag, danach Pause bis zum nächsten Handelstag. Das bremst Rache-Trading (Trading-Psychologie).
- Zeitrahmen trennen: Verschiedene Strategien und Zeitrahmen (Multi-Timeframe) mindern das Klumpenrisiko nur, wenn sie nicht auf denselben Markt zielen.
8. Checkliste vor jedem Trade
Die Checkliste fasst die Regeln dieses Guides zusammen. Gehen Sie sie vor jedem Trade durch, die Links springen zur Begründung. Über den Knopf lässt sich nur der Kasten ausdrucken.
Risiko-Checkliste: vor jedem Trade
| Prüfpunkt | Grenze | |
|---|---|---|
| ☐ | Stop-Loss festgelegt? Wo ist die Trade-Idee widerlegt? (Abschnitt 5) | vor dem Einstieg, im System hinterlegt |
| ☐ | Risiko in Euro berechnet? (Abschnitt 3) | max. 1–2 % des Kontos |
| ☐ | Positionsgröße in € je Punkt umgerechnet und mit der Einheit des Brokers abgeglichen? (Abschnitt 4) | Konto × Risiko ÷ Stop-Abstand |
| ☐ | Effektiver Hebel geprüft? (Abschnitt 4) | Faustregel für Einsteiger: max. 5 |
| ☐ | CRV ausreichend? (Abschnitt 6) | mind. 1:2, Kosten eingerechnet |
| ☐ | Garantierter Stop nötig? Termine, Wochenende, Kurslücken (Abschnitt 5) | Prämie und Bedingungen im Ticket |
| ☐ | Termine geprüft? Notenbanken, Arbeitsmarktdaten (Wirtschaftskalender) | kein ungeplanter Trade in die Nachricht |
| ☐ | Gesamtrisiko und Korrelation geprüft? (Abschnitt 7) | alle offenen Positionen max. 5 % |
| ☐ | Tagesverlustlimit nicht erreicht? (Abschnitt 7) | max. 3 % pro Tag |
| ☐ | Trade steht im Trading-Plan? Kein Impuls- oder Rache-Trade | Setup vorher definiert |
| ☐ | Im Trading-Tagebuch notiert? Einstieg, Stop, Ziel, Begründung | jeder Trade |